Kinder lernen, ihre Emotionen zu regulieren, wenn wir sie liebevoll begleiten und sie immer wieder co-regulieren.
Der renommierte Familienpsychologe John Gottman beschreibt fünf konkrete Verhaltensweisen, mit denen wir als Eltern unsere Kinder dabei unterstützen können, ihre Emotionen besser zu regulieren. Diese Verhaltensweisen nannte er die 5 Schritte des Emotionscoachings.
In diesem Beitrag erfährst du, welche diese 5 Schritte sind und wie dir dieses Tool in deinem Familienalltag eine wunderbare Orientierungshilfe sein kann.
Wenn Eltern ihren Kindern helfen, ihre Emotionen zu verstehen und zu akzeptieren, lernen die Kinder, wie sie ihre Gefühle regulieren können und sind besser in der Lage, sich zu beruhigen, wenn sie aufgebracht sind.
John Gottman
John Gottman: Die 5 Schritte des Emotionscoachings
Einer der angesehensten Experten im Bereich der Familienforschung und Psychologie ist der Psychologe John Gottman. Über Jahrzehnte hinweg hat er intensive Forschungsarbeit durchgeführt, um die Bedeutung der Emotionsregulation und der emotionalen Intelligenz bei Kindern zu verstehen. Dabei stellte er fest, dass Eltern, die ganz bestimmte Verhaltensweisen zeigten, dazu beitrugen, dass ihre Kinder emotional intelligenter wurden. Zur emotionalen Intelligenz gehört auch die Fähigkeit, die eigenen Emotionen regulieren zu können.
Aus seiner Forschung heraus entwickelte John Gottman die sogenannten „5 Schritte des Emotionscoachings„. Diese lassen sich wunderbar und ganz konkret in den Alltag übertragen, und wenn du dich an ihnen orientierst, hilfst du nicht nur deinem Kind, seine Emotionen besser zu regulieren, sondern stärkst gleichzeitig eure emotionale Verbindung. Ein großes Geschenk, welches du deinen Kindern für ihr Leben mitgeben kannst!
Schritt 1: Achtsamkeit für Gefühle
In diesem ersten Schritt geht es darum, den Gefühlen deiner Kinder – und auch deinen eigenen Gefühlen – achtsam zu begegnen. Es geht darum, wirklich wahrzunehmen, was dein Kind fühlt. Emotional präsent zu sein und alle Gefühle zu akzeptieren, auch wenn sie für uns aus Erwachsenensicht vielleicht nicht immer nachvollziehbar sind. Es geht um eine feinfühlige Begleitung und auch das Wissen darüber, warum Emotionen wichtig sind, und beides miteinander zu vereinen.
Denn alle unsere Gefühle, sei es Freude, Wut, Traurigkeit, Scham oder Angst, weisen uns auf unsere erfüllten und unerfüllten Bedürfnisse hin und sind der Ausdruck dessen, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen.
Hilfreiches Wissen über die 5 Grundgefühle und welche Funktion sie erfüllen kannst du hier nachlesen.
Emotionen sind eine natürliche Reaktion, und wenn wir hier aufmerksam und voller Akzeptanz bei unserem Kind bleiben, können wir unser Kind so durch seine großen und kleinen Gefühle hindurch begleiten, dass es durch unsere Co-regulation allmählich lernen kann, sich selbst zu regulieren.
Ein Beispiel für die Umsetzung dieses Schrittes:
Wenn dein Kind wütend ist, weil z.B. seine persönliche Grenze übergangen wurde oder sein Bedürfnis nach Automomie nicht erfüllt ist, darfst du erst einmal tief durchatmen und versuchen, dich selbst zu regulieren. Sei mitfühlend mit dir, wenn es dir nicht sofort gelingt, denn hier spielen sehr viele eigene Verletzungen und Glaubenssätze mit hinein. Akzeptiere die Wut und akzeptiere auch die Gefühle, die bei dir selbst aufkommen. Beobachte, welche Emotionen durch die Wut deines Kindes in dir ausgelöst werden. Sei präsent mit dir und deinem Kind und nimm seine Wut wahr. Versuche zu beobachten, ohne zu bewerten. Auch wenn du den Auslöser für die Wut nicht nachvollziehen kannst: für dein Kind ist dieses Gefühl wichtig und richtig.
Die Achtsamkeit für die Gefühle deines Kindes und deiner eigenen Emotionen legt den Grundstein für eine tiefere Verbindung und unterstützt das Verständnis der Bedürfnisse und Sehnsüchte, die hinter den Emotionen stehen. Dies ist der erste Schritt, um deinem Kind zu helfen, seine Emotionen besser zu regulieren und mit ihnen auf eine heilsame Weise umzugehen.
Umsetzungsimpuls:
Sei achtsam, damit du die Gefühle deines Kindes wahrnehmen kannst. Nimm dir bewusst Zeit dafür. Sei mit deinem Kind und seinem emotionalen Erleben präsent. Spüre auch, welche Emotionen in dir selbst ausgelöst werden. Beobachte ohne zu bewerten.
Du möchtest dein Kind sicher durch seine Emotionen begleiten?
Dann ist ein wichtiger Schritt, dich dir selbst achtsam zuzuwenden,
um dich und deine Emotionen besser zu verstehen.
Das Emotions-Journal unterstützt dich dabei!
Schritt 2: Zeit für Verbindung
In diesem Schritt geht es darum, emotionale Momente bewusst als Gelegenheit zu betrachten, um eine noch tiefere Verbindung zu deinem Kind aufzubauen. Er betrifft also eher deine innere Einstellung als eine konkrete Handlung, auch wenn diese innere Einstellung sich natürlich auf dein Handeln auswirken wird. Hierbei geht es vor allem darum, die großen Gefühle deines Kindes zu akzeptieren und zu verstehen, dass sie unweigerlich zum Leben dazugehören. Es geht nicht darum, dass die unangenehmen Gefühle schnellstmöglich verschwinden, sondern es geht darum, einen guten Umgang damit zu finden.
Emotionale Situationen, sei es die Bewältigung von Frust, Traurigkeit oder Ärger, bieten eine einzigartige Möglichkeit, um deine Verbindung zu deinem Kind zu vertiefen. Wenn du diese Momente als Gelegenheit betrachten lernst, deinem Kind wirklich nahe zu sein, und ihm gerade in diesen Momenten vermitteln kannst, wie es mit starken Emotionen umgehen kann, wirst du vielleicht nicht mehr wollen, dass sie schnellstmöglich vorrübergehen, sondern sie schätzen lernen. Diese Momente sind ideale Gelegenheiten, um zu zeigen, dass du für dein Kind da bist, selbst wenn es mit schwierigen Gefühlen konfrontiert ist.
Ein Beispiel für die Umsetzung dieses Schritts:
Stell dir vor, dein Kind ist frustriert, weil du ihm vielleicht kein Eis mehr vor dem Abendessen kaufen möchtest. Anstatt zu versuchen, es mit Argumenten zu überzeugen und von seinem Gefühl abzubringen, kannst du einfach dabei sein und sagen: „Es ist okay, dass du frustriert bist. Ich verstehe dich.“ Wenn es dir jetzt gelingt, dein Kind durch diese Frustration zu begleiten, lernt es, Frustration auszuhalten. Eine unschätzbare Ressource für seine Zukunft. Es lernt zudem: „Mama oder Papa sind bei mir, ich bin auch geliebt, wenn ich meine Frustration zeige. Meine Eltern hören mir zu. Ich bin nicht allein mit der Situation. Ich fühle mich verbunden.“
Der Schlüssel in diesem Schritt ist es, eine Atmosphäre des Verständnisses und der liebevollen Präsenz zu schaffen. Es ist eine wunderbare Gelegenheit, gemeinsam zu wachsen und sich auf emotionaler Ebene tiefer miteinander zu verbinden.
Umsetzungsimpuls:
Betrachte emotional herausfordernde Momente als Gelegenheiten, in denen du dich mit deinem Kind verbinden kannst und ihm zugleich vermitteln kannst, wie es einen guten Umgang mit seinen Emotionen finden kann.

Schritt 3: Mitfühlend zuhören und die Gefühle bestätigen
In diesem dritten Schritt geht es darum, deinem Kind auf eine einfühlsame und präsente Weise zuzuhören und die Gefühle, die es ausdrückt, ernst zu nehmen und in Worte zu fassen. Dies erfordert, dass du in der Lage bist, die Welt aus der Perspektive deines Kindes zu betrachten und subtile Hinweise in seiner Körpersprache, Mimik und Gestik aufzufangen.
Ein Beispiel für die Umsetzung dieses Schrittes: Wenn dein Kind dir von seinen Gefühlen erzählt, ist es wichtig, dass du dich ihm gegenüber einfühlsam und unterstützend zeigst. Bestätige dein Kind in seinem emotionalen Erleben. Du könntest beispielsweise sagen: „Du hast Angst, das verstehe ich.“ Oder auch einfach: „Du bist gerade richtig doll traurig, wütend… „
Mitgefühl und das Bestätigen seiner Gefühle sind entscheidend, da sie deinem Kind zeigen, dass du für es da bist und seine Gefühle ernst nimmst. Dies schafft eine Atmosphäre des Vertrauens, in der sich dein Kind sicher fühlt, über seine Emotionen zu sprechen und sie auszudrücken. Oft fangen Kinder an, über ihre Gefühle zu sprechen, wenn du sie vorher bestätigst. Denn dann fühlen sie sich sicher, sich auszudrücken.
Dieser Schritt ermöglicht es deinem Kind, sich verstanden und unterstützt zu fühlen, und stärkt eure Bindung. Es hilft deinem Kind auch dabei, seine eigenen Emotionen besser zu verstehen und auszudrücken, da es sich akzeptiert und wertgeschätzt fühlt. Mitgefühl und die Bestätigung von Gefühlen sind Schlüsselaspekte, um deinem Kind beizubringen, wie es seine Emotionen in einer gesunden Art und Weise bewältigen kann.
Umsetzungsimpuls:
Nimm dir Zeit, um deinem Kind aufmerksam zuzuhören, wenn es seine Gefühle ausdrückt. Zeige Verständnis und Mitgefühl, sei es durch Gesten oder durch Worte.
Schritt 4: Gefühle in Worte fassen
In diesem vierten Schritt geht es darum, deinem Kind dabei zu helfen, einen reichen und nuancierten Wortschatz für die Ausdrücke seiner Gefühle zu entwickeln. Das Benennen von Emotionen ist ist ein wesentlicher Schritt, denn er verhilft deinem Kind dazu, seine rechte und seine linke Gehirnhälfte wieder zu verbinden. Grundlegend für die Fähigkeit, unsere Emotionen regulieren zu können, ist, dass beide Gehirnhälften gut zusammenarbeiten. Warum das so ist, kannst du in diesem Blogartikel von mir nachlesen.
Ein Beispiel für die Umsetzung dieses Schrittes: Wenn dein Kind überwältigt ist von Emotionen, sei es Frust, Ärger oder Trauer, hat dein Kind häufig noch keine Worte, um seine Gefühle auszudrücken. Hier kommst du ins Spiel. Du könntest beispielsweise sagen: „Bist du vielleicht frustriert, weil das Puzzle schwer zu lösen ist?“
Indem du Gefühle benennst, hilfst du deinem Kind, seine Emotionen zu identifizieren und zu verstehen. Das hat beruhigende Wirkung, da es dem Kind das Gefühl gibt, verstanden und akzeptiert zu werden. Es ermöglicht deinem Kind auch, sich über seine eigenen Gefühle klarer auszudrücken und eine tiefere Verbindung zu anderen herzustellen.
Dieser Schritt ist ein wichtiger Schritt in Richtung emotionaler Intelligenz, da er deinem Kind die Werkzeuge gibt, um seine Emotionen zu verarbeiten und mit anderen darüber zu kommunizieren. Es fördert auch die Selbstreflexion und das Verständnis für die eigenen Gefühle.
Umsetzungsimpuls:
Ermutige dein Kind, seine Gefühle zu benennen, und hilf ihm, die passenden Worte zu finden.
Schritt 5: Lösungen suchen
In diesem letzten Schritt geht es darum, die Emotionen deines Kindes ohne Ausnahme anzuerkennen, aber nicht jedes Verhalten zu tolerieren, das diese Emotionen ausdrückt. Es ist wichtig, klare Grenzen in Bezug auf unangemessenes Verhalten zu setzen, während du gleichzeitig versuchst, die zugrunde liegenden Bedürfnisse oder Auslöser für die Emotion deines Kindes zu verstehen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Ein Beispiel für die Umsetzung dieses Schritts: Stell dir vor, dein Kind ist frustriert und haut um sich, weil es nicht weiterkommt, sei es bei einer Aufgabe, einem Spiel oder einer Herausforderung. Anstatt das Hauen zu tolerieren, könntest du sagen: „Ich verstehe, dass du frustriert bist, aber ich möchte nicht, dass du andere haust. Wie können wir dieses Problem gemeinsam lösen?“
Dieser Schritt betont die Bedeutung der Emotionsakzeptanz, ohne jedoch problematisches Verhalten zu unterstützen. Du erkennst an, dass die Emotionen deines Kindes echt sind, und du bist bereit, ihm dabei zu helfen, Wege zu finden, um mit diesen Emotionen auf eine gesunde Weise umzugehen. Dies fördert die emotionale Intelligenz deines Kindes, da es lernt, wie es seine Emotionen effektiv regulieren und auf Konflikte oder Herausforderungen reagieren kann.
Gleichzeitig stärkt dieser Schritt die Fähigkeit zur Problemlösung und fördert die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Kindern, da ihr gemeinsam nach Lösungen sucht, die die Bedürfnisse und Wünsche deines Kindes berücksichtigen. Es ist ein wichtiger Schritt, um Kindern beizubringen, wie sie mit ihren Emotionen umgehen und gleichzeitig soziale Kompetenzen und Konfliktlösungsfähigkeiten entwickeln können.
Umsetzungsimpuls:
Warte unbedingt, bis dein Kind seine Emotion durchlebt hat. Dann kannst du es dabei unterstützen, eigene Lösungen zu finden. Frage dein Kind, was es braucht, um die genannte Lösung umsetzen zu können.
Abschließende Gedanken
Wenn du deinen Kindern einen heilsamen Umgang mit Emotionen vermitteln möchtest, sind die 5 Schritte des Emotionscoachings von John Gottman ein Tool, an welchem du dich orientieren kannst.
Die emotionale Verbundenheit, die dabei entsteht, wird unsere Kinder bestärken und ihnen Ressource sein in ihrem zukünftigen Leben, in dem sie unweigerlich immer wieder mit starken Emotionen und herausfordernden Situationen konfrontiert sein werden.
Wir dürfen emotionale Herausforderungen in der Begleitung unserer Kinder als Gelegenheiten betrachten. Diese Momente, in denen sich starke Emotionen zeigen, sei es bei uns als Eltern oder bei unseren Kindern, können als Einladungen verstanden werden, gemeinsam zu wachsen und uns auf einer tieferen emotionalen Ebene miteinander zu verbinden.
Ich möchte dich gerne dazu ermuntern, diese Schritte in deinem Familienalltag auszuprobieren, und dabei besonders auch aufmerksam zu sein auf dein eigenes emotionales Erleben und darauf, wie du selbst mit deinen eigenen Emotionen umgehst.
Und zugleich deinem Kind die Werkzeuge zur Verfügung stellst, um seine Emotionen regulieren zu lernen.
Du wünschst dir Begleitung beim Umsetzen der 5 Schritte des Emotionscoachings?
Ich bin Katharina. Als Systemische Therapeutin, Sonderpädagogin und selbst Mutter unterstütze ich Eltern dabei, bewusst mit den großen Gefühlen umzugehen, die sich in der Beziehung zu ihrem Kind zeigen.
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Ich freue mich auf dich!

