Wie Scham entsteht: 

Was passiert, wenn wir die Gefühle unserer Kinder invalidieren

Hast du dich schon einmal geschämt, weil du traurig, wütend, ängstlich – oder sogar voller Freude warst?
Weil du dachtest: „So darf ich jetzt eigentlich nicht fühlen“?

Viele von uns haben in der Kindheit gelernt, dass bestimmte Gefühle nicht „okay“ sind. Wenn Traurigkeit, Angst oder besonders Wut immer wieder abgewertet oder abgelehnt wurden, prägt uns das bis heute. Auch darin, wie wir selbst mit den Gefühlen unserer Kinder umgehen.

Die gute Nachricht ist: Wir können diesen Kreislauf durchbrechen – für uns selbst und für unsere Kinder.

In diesem Artikel erfährst du, wie Scham durch die Abwertung von Gefühlen entsteht, welche Glaubenssätze sich daraus entwickeln – und wie du dein Kind liebevoll begleiten kannst, ohne ihm Scham zu vermitteln.


Scham durch Invalidierung der Gefühle

Invalidierung bedeutet, die Gefühle des Kindes nicht ernst zu nehmen, sie zu ignorieren oder sogar zu bestrafen.

Für ein Kind ist das ein schmerzhaftes Erlebnis. Denn Gefühle sind sein innerstes Erleben. Wenn diese nicht angenommen werden, kann daraus Scham entstehen – das Gefühl: „Mit mir stimmt etwas nicht.“

Vielleicht kennst du Sätze wie:

  • „Jetzt übertreib doch nicht.“
  • „Es gibt keinen Grund, so zu weinen.“
  • „Hör auf, so wütend zu sein.“

Oder subtiler:

  • „Komm, jetzt hör auf, es ist doch nichts passiert.“
  • „Es ist doch gar nicht so schlimm, beruhig dich.“
  • „Du musst doch nicht gleich so reagieren.“
  • „Mach dir keine Sorgen, das wird alles wieder gut.“
  • „Denk mal an all die schönen Dinge, es gibt keinen Grund, traurig zu sein.“

All diese Sätze haben eines gemeinsam: Sie vermitteln dem Kind die Botschaft: „Meine Gefühle sind übertrieben, sie sind nicht richtig, oder sie haben keinen Wert.“ Kinder fühlen sich in ihrem inneren Erleben nicht ernst genommen. Und lernen: Ich darf meine Gefühle nicht zeigen.

Daraus entsteht Scham. Scham über das eigene Sein, Scham über die eigenen Gefühle.


Welche Glaubenssätze entstehen dabei?

Wenn Gefühle immer wieder invalidiert werden, entwickeln sich oft tiefe Überzeugungen, wie zum Beispiel:

  • „Meine Gefühle sind nicht wichtig.“
    Kinder lernen, dass ihre emotionalen Bedürfnisse weniger bedeutsam sind als die von anderen.
  • „Ich darf mich nicht verletzlich zeigen.“
    Wenn wir lernen, dass wir in unserem Selbstaudsdruck abgelehnt werden, vermeiden wir, uns mit unserer verletzlichen Seite zu zeigen.
  • „Ich bin falsch, wenn ich wütend bin.“
    Besonders Wut ist häufig ein "unerwünschtes" Gefühl, Kinder lernen dann, ihre Wut zu unterdrücken.
  • „Ich muss perfekt sein, um geliebt zu werden.“
    Wenn Anerkennung vor allem für angepasstes Verhalten kommt, entsteht der Glaube, nur in der „richtigen“ Version liebenswert zu sein.
  • „Ich muss mich zusammenreißen.“
    Gefühle werden als übertrieben oder unangemessen wahrgenommen, was zu einer starken Selbstkontrolle führt.

Welche emotionalen Muster können daraus entstehen?

Diese Glaubenssätze prägen oft unser späteres Verhalten – ob uns das bewusst ist oder nicht:

  • Selbstkritik: Ein innerer Kritiker meldet sich oft mit Sätzen wie: „Warum bin ich so emotional?“
  • Emotionale Unterdrückung: Viele Erwachsene vermeiden es, ihre Gefühle zu zeigen, und empfinden Unbehagen, wenn sie selbst oder andere emotional werden.
  • Überangepasstheit: Um Konflikte zu vermeiden, stellen sie ihre eigenen Bedürfnisse zurück.
  • Explosive Reaktionen: Unterdrückte Gefühle können sich in plötzlichen, heftigen Ausbrüchen entladen.
  • Angst vor Nähe: Wer Scham tief verinnerlicht hat, hat oft Angst, mit seinen echten Gefühlen gesehen zu werden.


Wie kannst du diesen Kreislauf durchbrechen?

Du kannst den Kreislauf durchbrechen, indem du lernst, dein Kind in seinen Gefühlen zu begleiten – ohne zu bewerten oder zu „korrigieren“.

So kannst du dein Kind unterstützen:

  1. Gefühle validieren: Statt: „Das ist doch nicht schlimm,“kannst du sagen: „Ich sehe, dass du traurig bist.“
  2. Raum geben: Wenn dein Kind wütend oder traurig ist, braucht es nicht sofort eine Lösung – es braucht zuerst deine Anwesenheit. Ein: „Ich bin hier, magst du mir erzählen, was los ist?“ reicht oft aus.
  3. Gefühle normalisieren: Du kannst deinem Kind zeigen, dass Gefühle ein natürlicher Teil des Lebens sind: „Manchmal bin ich auch wütend oder traurig. Das ist ganz normal.“
  4. Eigene Muster hinterfragen: Wenn dich die Emotionen deines Kindes triggern, darfst du dich fragen: „Warum stört mich das gerade? Welche Glaubenssätze habe ich in Bezug auf diese Emotion?"  und Welche Erfahrungen aus meiner Kindheit könnten hier mitschwingen?“


Ein kleiner Schritt für heute

Hier eine Übung, die du ausprobieren kannst:

  1. Beobachte, wann dich die Gefühle deines Kindes triggern.
  2. Frage dich: „Was wird in mir ausgelöst? Gibt es einen Glaubenssatz, den ich loslassen möchte?“
  3. Übe Selbstmitgefühl: „Auf meinem Weg des ElternSeins wachse ich gemeinsam mit meinen Kindern. Es gehört dazu, Fehler zu machen.“


Wenn du die Gefühle deines Kindes – und deine eigenen – liebevoll annimmst, vermittelst du Sicherheit und Annahme. Dein Kind lernt dann: „Mit mir ist alles in Ordnung.“

Kostenfreies Kennenlerngespräch

Manchmal hilft es, die eigenen Muster nicht nur zu verstehen, sondern sie im Gespräch zu sortieren. Wenn du magst, kannst du in einem Kennenlerngespräch spüren, ob meine Begleitung dich unterstützen könnte.

Ich freue mich auf dich!

Herzlich, Katharina

>

Entdecke mehr von Emotionen im Fokus

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner