ElternSein als Weg

​Wie es dir gelingt, dich unterwegs nicht selbst zu verlieren.

Wenn wir Eltern werden, beginnen wir den Weg des ElternSeins zu gehen – unseren ganz persönlichen, einzigartigen Weg.  

Während wir unseren Kindern bei jedem Schritt zur Seite stehen, übersehen wir oft, wie bedeutsam es ist, auf dieser Reise gut für uns selbst zu sorgen. Wir vergessen, dass dieser Weg nicht nur für unsere Kinder bestimmt ist, sondern auch für uns.

In diesem Artikel möchte ich dir 4 Wegweiser mit auf den Weg geben, die dich auf deinem ganz persönlichen Weg des ElternSeins leiten können und dir helfen können, auf deinem Weg gut mit dir verbunden zu bleiben – um dich unterwegs nicht selber zu verlieren.

Die Metapher des ElternSeins alsWeg

Ähnlich wie auf einem Weg, der durch verschiedene Landschaften führt, erleben wir auch als Eltern Höhen und Tiefen, Wendungen und gerade Strecken auf unserer Reise. Auf diesem, unserem, Weg begegnen uns Herausforderungen genauso wie Momente des unfassbaren Glücks. Menschen begleiten uns ein Stück unseres Weges, manche für lange Zeit, andere verlieren wir aus den Augen, weil sich unsere Wege trennen. Unterschiedliche Gegebenheiten und Situationen säumen unseren Weg, und wir treffen immer wieder auf Wendungen und Weggabelungen, die Entscheidungen von uns einfordern. Manchmal geht es leicht vorran, manchmal sind wir unglaublich herausgefordert. Manchmal können wir den Weg entlang hüpfen, manchmal sitzen wir erschöpft am Wegrand und wissen nicht, woher wir die Kraft nehmen sollen, um weiterzugehen.

Dieser Weg des ElternSeins ist einzigartig für jede Familie und auch für jedes Kind. Es ist eine Reise der Selbstentwicklung und des Lernens, auf der wir als Eltern die Gelegenheit bekommen, unseren eigenen Weg zu gestalten, zu überlegen, auf welche Weise wir unseren Weg gehen wollen und was wir brauchen, um auch Herausforderungen gut bewältigen zu können.

Unsere Kinder sind unsere größten Lehrer auf dem Weg des Elternseins.

Oprah Winfrey

4 Wegweiser, die uns auf dem Weg des ElternSeins leiten

Damit du dich auf dem Weg des ElternSeins nicht selber verlierst, möchte ich dir vier Wegweiser mit auf deinen Weg geben, an denen du dich auf deiner Reise orientieren kannst. Jeder dieser Wegweiser trägt dazu bei, eine nährende Beziehung zu dir selbst und zu deinen Kindern zu entwickeln.

1. Wegweiser: Selbstkenntnis

Während wir unsere Kinder auf ihrem Weg begleiten, ist es wichtig, unsere eigene Selbstkenntnis zu entwickeln. Das bedeutet, uns selbst besser zu verstehen – unsere Werte, Grenzen und Ziele. Je mehr wir über uns wissen, desto besser können wir Entscheidungen treffen, die mit unserem authentischen Selbst in Einklang stehen. Diese Selbstkenntnis kann auch unsere Fähigkeit stärken, intuitiv auf die Bedürfnisse unserer Kinder einzugehen.

Wenn ich mich auf den Weg mache, ist es ungemein hilfreich zu wissen, was ich brauche, um meinem Weg gut gehen zu können, was ich brauche um in meiner Kraft zu bleiben, und was meine individuellen Herausforderungen sind, die mir auf meinem Weg eventuell hinderlich werden könnten. Das kann für jede*n Einzelne*n ganz unterschiedlich sein. Manche gehen vielleicht gerne eine lange Strecke auf einmal und sind dabei mehr auf das Ziel fokussiert. Andere wiederrum brauchen mehr Ruhepausen und genießen es, die Landschaft um sich herum anzuschauen. Manche brauchen es, vorher die Landkarte genau zu studieren, andere lassen sich gerne überraschen. 

Wenn wir uns selber gut kennen, können wir uns ganz anders auf unsere Reise vorbereiten. Selbstkenntnis ist folglich ein Schlüssel, um bewusstere Entscheidungen treffen zu können. Indem wir unsere eigenen Stärken, Schwächen, Emotionen und Trigger erkennen und unsere eigenen Reaktionen, Bedürfnisse und Grenzen besser verstehen, können wir besser für uns (vor-)sorgen.

Die Selbstkenntnis auf dem Weg des ElternSeins darf und sollte wachsen. Die Reise des ElternSeins bietet unzählige Gelegenheiten zur Selbstreflexion und persönlichen Entwicklung. Jeder Tag und jede neue Erfahrung können dazu beitragen, unsere Selbstkenntnis zu vertiefen.

Selbstkenntnis ist somit nicht nur die Grundlage, sondern auch ein lebenslanger Prozess, der uns auf unserem Weg des ElternSeins begleitet und bereichert.

Übung: 

Achtsames Zuhören für die eigenen Bedürfnisse
  • Nimm dir bewusst Zeit, um auf deine eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu hören.
  • Nimm dir einen Moment der Ruhe und stellen dir Fragen wie: „Was fühle ich gerade?  Auf welches erfüllt oder unerfüllte Bedürfnis könnte mich dieses Gefühl hinweisen? Wo im Körper spüre ich dieses Gefühl? Welche Gedanken tauchen in mir auf?“
  • Lausche auf die Antworten, die aus deinem Inneren aufsteigen, und nimm sie wahr, ohne sie zu bewerten.

2. Wegweiser: Selbstfürsorge

Wenn wir uns auf den Weg des ElternSeins begeben, stoßen wir oft auf das Dilemma zwischen der Fürsorge für unsere Kinder und der Sorge um unser eigenes Wohlbefinden. Selbstfürsorge ist jedoch das Fundament für die gesamte Reise des ElternSeins. Es ist ähnlich wie im Flugzeug: hier wird uns eindringlich vermittelt, wie wichtig es ist, sich zuerst selber die Sauerstoffmaske aufzusetzen – und erst dann seinem Kind. Wir brauchen genug Kraft und Energie für die unterschiedlichen Herausforderungen unseres Weges. Denn wenn wir nicht in unserer Kraft sind, haben wir erst recht keine für unsere Kinder. 

Indem wir ein Gleichgewicht schaffen zwischen dem Wohlergehen unserer Kinder und unserem eigenen Wohlergehen, legen wir die Grundlage für nährende Beziehungen – zu uns selbst und zu unseren Kindern. Selbstfürsorge ist keine egoistische Handlung und auch kein Luxus, sondern eine unerlässliche Maßnahme und notwendige Voraussetzung, um unseren Kindern liebevoll begegnen, und langfristig ihre Bedürfnisse da sein zu können.

Wenn wir uns selbst auf dem Weg des ElternSeins nicht unterstützen, können wir Gefahr laufen, auszubrennen oder unsere Fähigkeit, für unsere Kinder da zu sein, beeinträchtigen. Indem wir ein Gleichgewicht zwischen dem Wohl unserer Kinder und unserer eigenen Selbstfürsorge finden, schaffen wir ein nachhaltiges Fundament für die gesamte Reise.

Übung: 

Eine „Nährende Liste“ erstellen
  • Schreibe dir eine Liste von Dingen, die dich mit Freude erfüllen und dir Energie geben.
  • Dies können z.B. Aktivitäten, Orte, Menschen oder Tiere sein, die du gerne um dich hast.
  • Wenn du dich gestresst oder überfordert fühlst, kannst du dir diese Liste nehmen und dir Zeit nehmen für eine der nährenden Dinge, um wieder in deine Energie zu kommen.

3. Wegweiser: Selbstmitgefühl

Selbstmitgefühl hilft, wenn wir auf unserem Weg Herausforderungen begegnen, und vielleicht Entscheidungen treffen, von denen wir hinterher bemerken, dass wir besser anders entschieden hätten. Wenn wir an einer Abzweigung falsch abgebogen sind. Wenn wir uns selber einen Teil des Weges vernachlässigt haben. Wenn wir uns schuldig fühlen, weil wir unseren Kindern in einem Moment nicht die Wegbegleiter sein konnten, die wir gerne gewesen wären. Selbstmitgefühl ist das Mittel der Wahl, um uns selbst in schwierigen Zeiten freundlich und verständnisvoll zu behandeln. Selbstmitfühlend mit sich zu sein bedeutet, sich selbst so zu behandeln, wie man einen Freund in einer ähnlichen Situation behandeln würde. Es beinhaltet, Mitgefühl für sich selbst zu empfinden, wenn man Fehler macht, unter Stress steht oder sich herausgefordert fühlt. Es beinhaltet die Anerkennung, dass wir alle menschlich sind und Fehler machen, und es ermutigt dazu, sich selbst zu verzeihen und für sich selbst da zu sein, anstatt sich selbst zu kritisieren oder zu bestrafen.

Für uns als Eltern ist Selbstmitgefühl besonders wichtig, da das ElternSein oft mit Herausforderungen einhergeht und es unvermeidlich ist, Fehler zu machen. Selbstmitgefühl ermutigt dazu, uns selbst zu verzeihen und mit Mitgefühl auf uns selbst zu blicken. Selbstmitgefühl hilft uns, unsere Fehler zu akzeptieren, aus ihnen zu lernen und uns selbst zu vergeben, anstatt uns schuldig oder unzulänglich zu fühlen.

Übung:

Verbinde dich mit dir voller Mitgefühl für dich selbst

  • Finde einen ruhigen Ort, setze dich bequem hin und schließe die Augen.
  • Konzentrieren dich auf deinen Atem und atme tief ein und aus.
  • Lege eine Hand auf dein Herz, mit der Intention, dich wieder mit dir selber zu verbinden.
  • Spreche jetzt innerlich liebevolle und verständnisvolle Worte zu dir selbst, etwa: „Es ist okay, Fehler zu machen. Ich bin menschlich. Ich verzeihe mir selbst und liebe mich, so wie ich bin.“
  • Wiederhole diese Sätze, so oft du magst, bis du dich wieder mit dir verbunden fühlst und das Mitgefühl für dich selber dich durchströmt.
  • Bedanke dich bei dir und nimm das Gefühl der Verbundenheit und des Mitgefühls für dich selber  mit in deinen Alltag zurück.

4. Wegweiser: Selbstannahme

Auf unserem Weg des ElternSeins ist es unerlässlich, dass wir lernen, uns selber anzunehmen. Oft setzen wir hohe Erwartungen in uns selbst. Wir geben unser Bestes – und machen doch immer wieder Fehler, stolpern auf dem Weg, fallen hin, verlaufen uns…

Indem wir uns selbst erlauben, unvollkommen zu sein, uns mit all unseren Stärken und Schwächen akzeptieren, und uns nicht übermäßig selbst kritisieren oder vergleichen, bauen wir eine solide Basis für unser ElternSein auf. Auch wenn wir stolpern, nehmen wir uns an. Denn wir verstehen, dass es normal ist, Fehler zu machen und dass wir aus ihnen lernen können, anstatt uns für sie zu verurteilen.

Unsere Selbstannahme als Eltern hat nicht nur Auswirkungen auf uns selbst, sondern auch auf unsere Kinder. Indem wir alle unsere Facetten akzeptieren, kreieren wir die Basis für eine liebevolle und nährende Beziehung zu uns selbst und zu unseren Kindern. Wenn wir unsere menschliche Natur und Unvollkommenheit anerkennen, können wir eine Grundlage schaffen, die es uns ermöglicht, mit mehr Geduld und Mitgefühl für unsere Kinder da zu sein. Auch wird sich dieser Umgang mit uns selbst in den Herzen und Köpfen unserer Kinder verankern und beeinflussen, wie sie sich selbst wahrnehmen und wie sie sich selbst in der Welt sehen. Unsere Selbstannahme wird zu einem wertvollen Geschenk, das sie auf ihrem eigenen Lebensweg mitnehmen.

Übung:

Positive Selbstgespräche
  • Achte auf deine inneren Selbstgespräche und bemerke, wenn du selbstkritisch oder negativ über dich selbst denkst.
  • Wenn du solche Gedanken bemerkst, versuche, sie bewusst zu stoppen und durch dich als Mutter oder Vater annehmende und  unterstützende Gedanken zu ersetzen.
  • Zum Beispiel, wenn du denkst, „Ich mache immer Fehler“, kannst du diesen Satz durch „Ich lerne aus meinen Erfahrungen und wachse“ ersetzen.
  • Übe diese positiven Selbstgespräche regelmäßig, um deine Selbstannahme zu stärken.

Was du noch mitnehmen kannst auf deinem Weg des ElternSeins

Die Magie der Veränderung

Der Weg des ElternSeins ist nicht statisch, er ist geprägt von Veränderungen und Wachstum, sowohl für uns als auch für unsere Kinder. Die Akzeptanz von Veränderungen ist entscheidend für das Gelingen dieses Weges. Auch wenn Momente der Unsicherheit auftreten mögen, erinnere dich daran, dass Veränderungen Gelegenheiten für persönliches und gemeinsames Wachstum bieten.

Den Weg gemeinsam gehen: Verbundenheit in der Elternschaft

Während wir auf dem Weg des ElternSeins voranschreiten, sollten wir uns bewusst sein, dass wir nicht allein sind. Unsere Reise wird von Menschen begleitet, die dieselbe Route gegangen sind oder gerade gehen. Familie, Freunde, Partner und Gemeinschaft können uns wertvolle Unterstützung bieten. Indem wir uns mit anderen verbinden und Unterstützung suchen, schaffen wir ein Netzwerk, das uns bei den Herausforderungen und den schönen Momenten des Weges begleitet. Wir können voneinander lernen, uns gegenseitig ermutigen und gemeinsam das Abenteuer der ElternSeins leben.

Das Hier und Jetzt auf dem Weg genießen

Der Weg des ElternSeins kann manchmal so rasch vorbeiziehen, dass wir vergessen, den Moment zu schätzen. So wie ein Spaziergang eine ganz andere Qualität hat, wenn wir ihn mit allen Sinnen wahrnehmen und ganz präsent im Hier und Jetzt sind, ist es auch in der Begleitung unserer Kinder so, dass unser ElternSein und unsere Verbindung zu unseren Kindern eine ganz andere Qualität bekommen, wenn wir die Fähigkeit der Achtsamkeit kultivieren. 

Indem wir uns Zeit nehmen, den Weg zu genießen, lernen wir, im Moment präsent zu sein und die Schönheit der Reise zu erkennen.

Abschließende Gedanken

Die Reise als ein kontinuierlicher Weg des Wachstums

Die Metapher des ElternSeins als Weg erinnert uns daran, dass diese Reise nicht nur für unsere Kinder ist, sondern auch für uns selbst. Wenn wir den Weg des ElternSeins mit Selbstkenntnis, Selbstfürsorge, Selbstmitgefühl und Selbstannahme beschreiten, erschaffen wir eine Atmosphäre der Liebe und des Wachstums, die uns mit uns selber und mit unseren Kindern auf einer tiefen Ebene verbindet.

Unsere Bereitschaft, uns besser kennenzulernen, liebevoll mit uns zu sein und uns selbst anzunehmen und zu nähren, lässt uns zu lebendigen Vorbildern werden, die die Kraft haben, nicht nur unsere Kinder, sondern auch uns selbst auf diesem Weg zu leiten und diesen Weg zu unserem ganz persönlichen Weg werden zu lassen.

Der Weg des ElternSeins ist keine einfache Strecke von einem Punkt zum anderen, sondern ein kontinuierlicher Pfad des Wachstums und der Entfaltung. Während wir unsere Kinder begleiten und unterstützen, erkennen wir, dass wir selbst in diesem Prozess wachsen.

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