Oder: Wie uns klare Werte Orientierung in unserem ElternSein geben:

Manchmal stolpern wir in unser Elternsein hinein, manchmal bereiten wir uns darauf vor. Aber irgendwann im Laufe unseres Elternseins wird die Frage kommen: Wer möchte ich als Mutter bzw. als Vater sein? Was ist mir wirklich wichtig in der Beziehung zu meinen Kindern? Wie möchte ich mein ElternSein gestalten? Wenn wir hier klare Werte haben, werden wir uns weniger zwischen Ratgeberliteratur, Social Media Inhalten und gutgemeinten Ratschlägen verlieren und haben sozusagen Fixsterne, an denen wir uns immer neu orientieren können.

Ich arbeite daher mit Eltern sehr gerne mit dem Ansatz der Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT), bei dem Werte ein zentrales Thema sind. Warum ich das gerade auch für Eltern so sinnvoll finde und wie das konkret aussehen kann, erfährst du in diesem Blogartikel.


Die Rolle der Werte im Elternsein

Werte sind so etwas wie unsere tiefsten Überzeugungen. Sie zeigen uns, was uns wichtig ist und helfen uns dabei, zu entscheiden, wie wir handeln wollen. Sie sind wie Leitsterne, die uns in herausfordernden Momenten Orientierung geben.

Hast du dich schon einmal bewusst gefragt, welchen Werten du folgst? Oft handeln wir nämlich einfach so, wie wir es gewohnt sind. Und hier liegt ein Schatz, gerade für die Eltern, die es bewusst anders machen und alte Muster brechen wollen (#cyclebreaker). Denn wenn wir uns unsere Werte bewusst machen, sie hinterfragen und neu anpassen, sind sie eine wunderbare und wertvolle Ressource, an der wir uns orientieren können.

ElternSein ist so vielfältig. Und so ist es umso wichtiger, unsere eigenen Werte zu definieren und unser Handeln danach auszurichten.

Um unsere eigenen Werte zu finden, die uns erlauben, wirklich die Mutter oder Vater zu sein, die oder der wir sein wollen, arbeite ich mit Eltern mit dem Ansatz der Achtsamkeits- und Commitmenttherapie (ACT).


Was ist die Achtsamkeits- und Commitmenttherapie (ACT)?

Die Achtsamkeits- und Commitmenttherapie (ACT) ist ein therapeutischer Ansatz, der Achtsamkeit und Werte in den Mittelpunkt stellt. Sie hilft uns, im Hier und Jetzt präsent zu sein und uns gleichzeitig auf das zu fokussieren, was uns wirklich wichtig ist. Doch was bedeutet das genau und wie kann das Eltern helfen? 

ACT basiert auf der Idee, dass wir unser Leben nicht ständig kontrollieren können. Manchmal erleben wir schwierige Gefühle und Gedanken, die wir lieber vermeiden würden. Doch anstatt dem auszuweichen, zeigt uns ACT, wie wir sie annehmen können und dabei gleichzeitig unser Handeln an unsere Werten ausrichten können, also an dem, was uns tief im Inneren wirklich wichtig ist.


Warum finde ich die Arbeit mit ACT für Eltern so sinnvoll?

  1. Wir gewinnen Klarheit über unsere Werte: ACT fordert uns auf, uns ehrlich zu fragen: "Was ist mir wirklich wichtig?" "Wie möchte ich als Mutter oder Vater sein?" "Was möchte ich meinen Kindern vorleben?" "Welche Werte möchte ich in der Beziehung zu meinen Kindern leben?" Wenn wir diese Werte klar definieren, dienen sie uns als Leitsterne, die uns gerade auch in herausfordernden Momenten Orientierung geben können.
  2. Wir lernen im Hier und Jetzt präsent zu sein: Achtsamkeit hilft, den gegenwärtigen Moment bewusster wahrnehmen zu können. Je mehr uns das gelingt, desto leichter ist es, im Alltag zu bemerken, wenn wir dabei sind, entgegen unserer Werte zu handeln und uns in diesem Moment bewusst für ein Handeln zu entscheiden, welches mit den eigenen Werten übereinstimmt, also als die Mutter oder der Vater die oder der wir sein wollen.
  3. Wir entscheiden uns für ein wertgeleitetes Handeln: Bei ACT geht es darum, in die Umsetzung zu kommen, was bedeutet, unsere Werte nicht nur zu erkennen, sondern auch danach zu handeln. Oft machen hier kleine Schritte direkt einen großen und bemerkbaren Unterschied im Familienalltag.


Uns unseren Werten annähern

Ich finde es super spannend, wenn wir uns unseren Werten annähern. Denn oft bemerken wir erst in diesem Moment, dass sie uns eigentlich gar nicht entsprechen. Dass es Werte sind, die wir unreflektiert übernommen haben, die aber gar nicht dazu passen, wie wir als Mutter oder Vater wirklich sein wollen. 

Um uns unseren eigenen Werte anzunähern, ist es hilfreich, uns Fragen zu stellen und diese Fragen wirklich in der Tiefe zu betrachten:

  • Was ist mir in der Beziehung zu meinem Kind besonders wichtig? Wie möchtest du die Beziehung zu deinem Kind gestalten? Welche Werte sollen euer Miteinander bestimmen? Wie möchtest du als Mutter, als Vater sein im Kontakt mit deinem Kind?
  • Welche Werte möchte ich meinem Kind vorleben? Kinder lernen viel durch das, was sie bei uns sehen. Welche Werte möchtest du deinem Kind vermitteln, indem du Vorbild bist? Welche Welt wünschst du dir für dein Kind? 
  • Wie möchte ich als Mutter* als Vater in herausfordernden Momenten reagieren? Herausfordernde Momente gehören zum ElternSein dazu. Du kannst jedoch entscheiden, wie du auf diese Herausforderungen reagieren möchtest. Überlege dir, wie du z.B. reagieren möchtest, wenn du durch das Verhalten oder den Gefühlsausdruck deines Kindes getriggert wirst.

Werte sind keine Ziele im Sinne spezifischer Ziele, sondern Qualitäten des Handelns, die uns eine Richtung geben, auch wenn der Weg unklar ist.

Steven C. Hayes


Umgang mit Herausforderungen und Triggern

Als Eltern kommen wir häufig in Situationen, in denen das Verhalten oder der Gefühlsausdruck unseres Kindes uns triggert und in denen wir dann anders reagieren, als wir eigentlich möchten.

Wenn wir uns unserer Werte hier wirklich bewusst sind, gelingt es uns eher, auch in herausfordernden Momenten nach unseren Überzeugungen zu handeln. Indem wir unsere Trigger rechtzeitig bemerken, können wir innehalten und sagen: "Stopp, so möchte ich nicht handeln."

Ein Beispiel, um das anschaulicher zu machen: Wenn du dich durch ein Verhalten deines Kindes provoziert fühlst und du merkst, dass du wütend wirst, kannst du diesen Moment nutzen, um deine Reaktion zu überdenken und dich an deinen Wert zu erinnern. Du kannst dir vielleicht so erwas sagen wie: "Ich spüre, dass ich wütend bin. Es ist ok wütend zu sein. Aber ich übernehme die Verantwortung für meine Wut und entscheide mich für eine friedliche Lösung."


Unsere eigenen emotionalen Baustellen

Das klingt jetzt erst mal so einfach. Ist es aber nicht. Denn wir als Eltern haben unsere eigenen emotionalen Baustellen, unsere Schmerzpunkte, in denen wir empfindlich sind, unsere eigenen verletzenden Kindheitserfahrungen, die wir noch in uns tragen. Unsere Glaubenssätze und Muster, denen wir oft automatisch folgen.

Hier hilft es, uns bewusst zu werden, was genau uns triggert. Wenn du dir hier Begleitung wünschst, schaue dir gerne mein Angebot an:

3-monatige 1:1 Elternbegleitung "ElternSein bewusst gestalten".


Wähle deine Werte

Wenn wir unsere Werte wählen, ist es wichtig, sie für uns genau zu definieren. Denn häufig wirken die Worte, die wir den Werten geben, erst einmal wie plakative Schlagworte, die alles oder nichts bedeuten können.

Es ist also wichtig, nicht nur den Wert für dich zu bestimmen, sondern auch zu definieren, was genau dieser Wert für dich bedeutet. Was macht dieser Wert für dich aus? Wie lebst du diesen Wert in der Beziehung zu deinem Kind? Wie sieht es aus, wenn du nach diesem Wert handelst?

Ich möchte das einmal mit einem der Werte durchgehen, die ich für mein ElternSein gewählt habe.

Mein Wert: Verbundenheit leben. 

Verbundenheit bedeutet für mich, in Verbindung, in Kontakt zu sein. Mit mir selbst und mit meinen Kindern. Damit ich in Verbindung mit meinen Kinder gehen kann, ist die Verbindung zu mir selbst die Voraussetzung. Das heißt, dass ich aufmerksam darauf bin und rechtzeigig bemerke, wenn ich die Verbindung zu mir selbst verliere und sie dann versuche wieder herzustellen. Auch bei meinen Kindern ist es mir wichtig, dass ich ihnen viel Raum und Gelegenheit schaffe, in denen sie nicht verplant sind, sondern wirklich ganz in Ruhe bei sich sein können. Darauf achte ich sehr. 

Verbundenheit leben bedeutet für mich auch, so zu kommunizieren und mich so zu verhalten, dass ich eine Verbindung fördere, anstatt in eine Distanz zu meinen Kindern zu gehen. Wenn ich merke, dass eine Reaktion meinerseits eine Distanz erzeugt hat, gehe ich wieder in Verbindung indem ich die Verantwortung übernehme und repariere.

Verbindung hat für mich auch noch mehr Dimensionen, die alle mit in mein ElternSein hineinspielen. Mir ist es zum Beispiel sehr wichtig, dass meine Kinder lernen, dass wir alle miteinander verbunden sind, Menschen, Tiere, Natur, und dass wir dementsprechend handeln. Das ist denke ich ein Aspekt dieses Wertes, den ich meinen Kindern schon immer intuitiv vorgelebt habe, indem ich selbst sehr achtsam mit Tieren und Natur umgehe.

Der Wert Verbundenheit hat für mich noch viele Aspekte mehr. Meine Gedanken hierzu sollen dir nur eine Anregung sein, damit du deine eigenen Werte definieren kannst.


Komm in die Umsetzung!

  • Wer möchtest du als Mutter, als Vater sein? Welche Werte möchtest du leben? An welchen Werten orientierst du dich?
  • 3-5 Werte sind hier ausreichend, denn sonst wird es schnell unübersichtlich. Gehe wirklich tief in die Werte rein. Spüre nach, ob sie wirklich stimmig sind.
  • Vielleicht möchtest du sie auch aufschreiben. Und dir schreibend die Frage beantworten: Was für eine Mutter, was für ein Vater möchtest du für dein Kind sein?
  • Wie kann es konkret aussehen, wenn du nach diesen Werten lebst? Welches kann ein erster kleiner Schritt sein?

Du wünschst dir dabei Begleitung?

In meinem 3-monatigen 1:1 Elterncoaching 

"ElternSein bewusst gestalten"

schauen wir auf deine Werte als Leitsterne für dein ElternSein.

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