Tuning in to Kids® -
vom Wert der emotionalen Verbindung
Unsere Kinder fühlen. Und wir als Eltern fühlen auch. Emotionen stehen daher jeden Tag und immer wieder im Mittelpunkt der Beziehung zu unseren Kindern. Fordern uns heraus. Regen uns an, über uns hinauszuwachsen. Verlangen nach einem guten Umgang mit ihnen.
Tuning in to Kids® ist ein Elterncoaching, das genau dort ansetzt, da es die emotionale Verbindung in den Fokus stellt. Es vermittelt Eltern Fähigkeiten, ihre eigenen Emotionen und die ihrer Kinder wahrzunehmen, zu verstehen und zu regulieren.
Was genau das Tuning in to Kids® Elterncoaching ist, und wie du durch eine feinfühlige Interaktion eine emotional starke Verbindung zwischen dir und deinem Kind herstellen kannst, erfährst du in diesem Artikel.
Was ist das Tuning in to Kids® Elterncoaching?
«Tuning in to Kids®» bedeutet "Sich in Kinder einfühlen". Es ist ein evidenzbasiertes Elternprogramm, das 1999 in Australien an der Universität Melbourne von Sophie Havighurst und Ann Haley entwickelt wurde.
Es verfolgt einen emotionsfokussierten Ansatz, der Elemente aus verschiedenen theoretischen Strömungen (z. B. Bindungstheorie, dialektisch-behaviorale Therapie, Achtsamkeitstherapie, neurowissenschaftliche Erkenntnisse) sowie entwicklungspsychologische Aspekte kombiniert.
Tuning in to Kids® basiert auf dem Emotionscoaching des Familienpsychologen John Gottman und richtet sich vor allem an Eltern von Kindern zwischen 3 und 10 Jahren.
Im Vordergrund steht die emotionale Verbindung zwischen Kindern und ihren Eltern, und wie es gelingen kann, Gefühle auf eine gesunde Art und Weise auszudrücken.
Mehrere Forschungsstudien zu dem Programm haben gezeigt, dass die Teilnahme der Eltern am Tuning in to Kids® Elterncoaching zu positiven Ergebnissen führt, einschließlich einer Verbesserung der Elternschaft, des Familienklimas, der Eltern-Kind-Beziehung sowie der emotionalen Kompetenz und des Verhaltens der Kinder.
Eine ausführliche Beschreibung zum Programm und seinen Inhalten findest du hier:
Die Philosophie hinter dem Programm
Das Tuning in to Kids® Elterncoaching basiert auf der Annahme, dass menschliche Emotionen für die Kommunikation und Verbindung von zentraler Bedeutung sind. Erst wenn wir auf der Ebene der Emotionen kommunizieren, fühlen wir uns eng verbunden. Alle Emotionen haben eine Funktion und liefern uns wichtige Informationen über uns selbst und unsere Umwelt. Emotionale Verbundenheit ist von zentraler Bedeutung für unser Wohlbefinden und steigert unsere Lebensqualität.
"Herausfordernde Verhalten" von Kindern wird als ein Zeichen dafür angesehen, dass sie Schwierigkeiten haben, ihre Emotionen zu verstehen und zu regulieren, und dass sie möglicherweise unsere Hilfe brauchen. Wenn wir uns mit den Emotionen der Kinder verbinden, indem wir einfühlsam auf sie eingehen und ihnen das Gefühl geben, verstanden zu werden, wirkt dies beruhigend (man kann das auch als Co-Regulierung bezeichnen) und ermöglicht es den Kindern, emotionale Kompetenz zu erlernen.
Sogenannte Verhaltensprobleme werden oft reduziert oder hören ganz auf, wenn emotionale Akzeptanz und Verständnis vorhanden sind.
Tuning in to Kids® möchte auf den Stärken und Fähigkeiten aufbauen, die Eltern bereits mitbringen.
Jede Familie ist einzigartig und Eltern sind diejenigen, die ihre Kinder am besten kennen. Eltern werden dazu ermutigt, die Anregungen aus den Tuning in to Kids®-Programmen für sich zu verwenden, die zu ihnen und ihrer Familie passen.
John Gottman: Emotionscoaching als Herzstück
Das Emotionscoaching des Familienpsychologens John Gottman ist das Herzstück von Tuning in to Kids®.
John Gottman fand in langjähriger Forschungsarbeit heraus, dass die emotionale Interaktion zwischen Eltern und Kind grundlegend ist für eine nährende Eltern-Kind-Beziehung und dass sie einen enorm großen Einfluss auf das langfristige Wohlergehen des Kindes hatte.
Das Geheimnis lag für ihn darin, wie Eltern mit den Emotionen ihrer Kinder umgingen.
Er beobachtete, dass es Eltern gab, die ihren Kindern Orientierungspunkte in der Welt der Gefühle vermittelten.
John Gottman bezeichnete dies auch als emotional intelligente Elternschaft, wobei die Eltern, die im Sinne des Emotionscoachings mit ihren Kindern interagierten, fünf Verhaltensweisen zeigten, wenn sich ihrer Kinder starke Emotionen bemächtigten. Im folgenden bezeichnet als die 5 Schritte des Emotionscoachings:

Emotionale Verbundenheit leben
Dem von John Gottman als "Emotionscoach" bezeichneten Elterntyp gelingt es, auf Grund seiner feinfühligen Interaktion mit seinem Kind ein Gefühl von emotionaler Verbundenheit herzustellen.
In emotional herausfordernden Momenten ist es diesen Eltern möglich, in eine empathische Interaktion mit ihren Kindern zu gehen, die ein beidseitiges Gefühl von Nähe und Verbundenheit erzeugt (siehe auch: Die fünf Schritte des Emotionscoachings).
Da wir soziale Wesen sind, ist es für unsere Entwicklung grundlegend, Verbundenheit zu spüren. Im Zustand der Verbundenheit ist unser Nervensystem in Balance. Wir fühlen uns sicher und geborgen, angenommen und erwünscht, genau so, wie wir sind.
Und dieses Gefühl von Verbundenheit entsteht immer dann, wenn wir uns in unseren Emotionen gesehen, wahrgenommen und verstanden fühlen.
Denn dann kann ich fühlen, dass der andere mich fühlt. Und ich fühle den anderen.
Welche Interaktion zu diesem Gefühl von Verbundenheit führt, und welche Interaktion eine Distanz herstellt, erfährst du in den folgenden Abschnitten.
Interaktion, die zu Verbundenheit führt
Häufig erscheint uns der Auslöser für eine Emotion auf den ersten Blick übertrieben, nicht nachvollziehbar. (Hier ist es auch sehr spannend und lehrreich, auf seine Glaubenssätze zu achten!). Gerade bei Kindern.
So kann zum Beispiel bei kleineren Kindern schon Verzweiflung auslösen, dass der Apfel für den Frühstücksbrei nicht wie gewohnt gerieben sondern in kleine Stücke geschnitten wurde.
Hier kann ich, vorausgesetzt, ich bin gerade gut mit mir selber verbunden, die Entscheidung treffen, eine Verbindung zu meinem Kind herzustellen. Ich kann das Gefühl von Nähe und Wertschätzung erzeugen, indem ich seine Emotionen anerkenne, Verständnis zeige und seine Gefühle in Worte fasse. Dadurch vermittle ich meinem Kind: "Ich spüre, dass es für dich wirklich wichtig ist und erkennen das an. Ich sehe dich. Deine Gefühle sind in Ordnung. Du bist in Ordnung." Und dein Kind spürt: "Mama/ Papa ist mir nahe. Er oder sie versteht mich. Ich werde in meinem emotionalen Sein gewertschätzt."
Interaktion, die Distanz erzeugt
Ich kann jedoch auch auf meine Kind auf eine Art und Weise reagieren, die eine Distanz zwischen uns erzeugt. Das passiert immer dann, wenn ich die Emotionen meines Kindes negiere, sie übergehe oder abwerte. Ich lasse es dadurch mit seinen Gefühlen alleine. Und das passiert. Schneller, als man denkt. Es kann von uns durchaus liebevoll gemeint sein, unser Kind abzulenken von seinen schwierigen Emotionen. Wir beschwichtigen, sagen: "Es ist nicht so schlimm. Es wird schon wieder gut werden. Du brauchst nicht traurig zu sein."
Deutlicher wird es, wenn wir die Emotionen abwerten, z.B. in dem wir sagen: "Ach komm, das ist doch kein Grund traurig zu sein. Es ist doch völlig egal ob der Apfel geschnitten oder gerieben ist. Jetzt hör auf zu schreien. Stell dich nicht so an."
Und diese Interaktion sorgt für Distanz. Zwischen dir und deinem Kind. Und das Kind distanziert sich gleichzeitig von seinem emotionalen Erleben und damit von sich selbst. Es vertraut seiner Wahrnehmung nicht mehr. Denn wenn Mama oder Papa sagen: "Das ist kein Grund, traurig zu sein.", dann kann ja etwas mit mir nicht stimmen.
Schwierig wird dies, wenn dies regelmäßig passiert, denn dann wird dein Kind lernen: "Meine Bedürfnisse sind nicht wichtig, ich bin nicht wichtig. Ich werde nicht gesehen in meinem emotionalen Sein. Meine Gefühle stimmen nicht, sind zu viel... ich bin nicht in Ordnung." Und es wird sich von seinen Gefühlen, von sich selbst und auch von dir distanzieren.
Ein Beobachtungsimpuls für dich:
Auch wir als Erwachsene erfahren regelmäßig entweder Akzeptanz oder Abwertung unserer Emotionen. Sei einmal achtsam in deinem Alltag. Achte darauf, wann z.B. dein Partner oder deine Partnerin auf deine Emotionen auf eine Art und Weise reagiert, die Verbundenheit zwischen euch herstellt. Und wann er oder sie auf eine Art und Weise reagiert, die eine Distanz zwischen euch erzeugt.
Spürst du den Unterschied im Körper?
Was würdest du dir in diesem Moment (von deinem Partner oder deiner Partnerin) wünschen?
Was brauchst du generell, um dich verbunden fühlen zu können?
Tuning in to Kids® vermittelt genau diese Fähigkeiten einer feinfühligen Interaktion, die emotionale Verbundenheit zwischen Eltern und ihren Kindern herstellt.
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