Was ist dein emotionaler Stil?

Der Familienpsychologe John Gottman beschreibt vier unterschiedliche emotionale Stile, die Eltern im Umgang mit den Gefühlen ihrer Kinder zeigen. Wie du auf die Emotionen deines Kindes reagierst, hängt stark von deinem emotionalen Stil ab – und dieser prägt entscheidend, ob es dir gelingt, dein Kind bei der emotionalen Regulierung zu unterstützen, damit es lernt, auf gesunde Weise mit seinen Gefühlen umzugehen.
In diesem Beitrag erfährst du, welche emotionalen Stile es gibt, wie sie die emotionale Bindung zu deinem Kind beeinflussen und welcher Stil bei dir besonders ausgeprägt ist.
So beeinflussen Eltern mit ihrem emotionalen Stil die Emotionsregulation ihrer Kinder
John Gottman hat in langjähriger wissenschaftlicher Forschung festgestellt, dass die emotionale Interaktion zwischen Eltern und Kindern von höchster Bedeutung ist und einen enormen Einfluss auf das langfristige Wohlbefinden von Kindern hat.
Für ihn lag das Geheimnis darin, wie Eltern in emotional herausfordernden Momenten mit ihren Kindern umgehen. Er fragte sich, welches Elternverhalten genau den entscheidenden Unterschied macht, damit Kinder sich emotional sicher und verbunden fühlen – und lernen, sich selbst zu beruhigen und ihre Emotionen zu regulieren.
Dabei erkannte er, dass einige Eltern ihren Kindern Orientierungspunkte in der Welt der Gefühle vermitteln konnten, während es anderen nicht gelang. Dies lag jedoch nicht unbedingt daran, dass diese Eltern nicht warmherzig und liebevoll waren, sondern vielmehr daran, dass ihnen das Bewusstsein über Emotionen sowie das Wissen und die Fähigkeiten fehlten, um ihre Kinder so durch ihre Gefühle zu begleiten, dass diese einen gesunden Umgang mit ihren Emotionen entwickeln konnten.
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Welcher ist dein emotionaler Stil?
Wenn du herausfinden möchtest, welcher emotionale Stil bei dir besonders ausgeprägt ist, mache gerne das Quiz, bevor du weiterliest!
In der Realität weisen wir natürlich nicht nur einen emotionalen Stil auf; oft ist jedoch einer besonders stark ausgeprägt, und wir verwenden ihn vorwiegend in der Interaktion mit unserem Kind.
Häufig gehen wir mit verschiedenen Gefühlen unterschiedlich um. So kann es beispielsweise sein, dass wir Trauer akzeptieren und annehmen können, uns aber gegenüber Wut unsicher fühlen oder diese sogar ablehnen und daher anders und weniger feinfühlig darauf reagieren. Wie wir mit den einzelnen Emotionen umgehen, hängt oft davon ab, wie diese in unserer Herkunftsfamilie und -gesellschaft betrachtet wurden und welche Bewertungen wir übernommen haben. Dies kann auch geschlechtsspezifisch unterschiedlich sein, sodass Jungen eher im Ausdruck ihrer Wut und Mädchen im Ausdruck ihrer Trauer bestärkt werden.
Unser Umgang mit den Emotionen unserer Kinder wird sich natürlich auch von Situation zu Situation unterscheiden, je nachdem, wie wir uns in diesem Moment selbst fühlen. Vielleicht sind wir gerade angespannt, was es uns schwerer macht, präsent und empathisch mit unserem Kind zu sein. Sind wir jedoch ausgeruht und entspannt, fällt es uns deutlich leichter, uns wirklich auf unser Kind und seine emotionalen Bedürfnisse einzulassen.
Die 4 emotionalen Stile elterlichen Verhaltens
Elterliches Verhalten, welches Kinder NICHT darin unterstützt, einen guten Umgang mit ihren Emotionen zu entwickeln, unterschied John Gottman in drei Kategorien:
1. Nicht-Beachtung von Emotionen
Du wünschst dir, dass dein Kind glücklich ist und siehst es am liebsten fröhlich. Schwierige Emotionen möchtest du von ihm fernhalten und bemühst dich daher, seine Welt wieder in Ordnung zu bringen.
Wenn du dich vorwiegend nicht-beachtend gegenüber den Emotionen deines Kindes verhältst…
- … glaubst du, dass es am Wichtigsten ist, positiv zu sein und sich nicht mit als negativen empfundenen Gefühlen aufzuhalten.
- … sagst du deinem Kind, dass es nicht traurig sein muss, sich keine Sorgen machen, keine Angst haben muss…
- … nutzt du Ablenkungen als eine Möglichkeit, mit den Emotionen deines Kindes umzugehen.
- … beschäftigst du dich mehr damit, wie man Gefühle überwindet, als mit ihrer eigentlichen Bedeutung.
- … betrachtest du die Emotionen deines Kindes als Aufforderung, seine Welt wieder in Ordnung zu bringen.
- … bietest du deinem Kind Rat an (z.B. „Du hättest … sollen.“).
- … findest du es schwierig, ein Kind auszuhalten, das traurig, wütend, ängstlich, etc. ist.
- … bist dir deiner eigenen Emotionen häufig nicht bewusst.
In den Momenten, in denen du dich nicht-beachtend gegenüber den Emotionen deines Kindes verhältst, lernt dein Kind nicht, seine Emotionen zu regulieren. Es kommt möglicherweise zu der Überzeugung, dass das, was es fühlt, nicht angemessen, falsch oder unangebracht ist. Es fühlt sich nicht von dir gesehen und ihr seid nicht miteinander verbunden.
2. Missbilligung von Emotionen
Du möchtest, dass dein Kind sich nicht von seinen Emotionen leiten lässt. Es ist dir wichtig, Emotionen zu kontrollieren und den emotionalen Äußerungen deines Kindes Grenzen zu setzen.
Wenn du dich vorwiegend missbilligend gegenüber den Emotionen deines Kindes verhältst…
- … bewertest und kritisierst du die emotionalen Äußerungen deines Kindes.
- … möchtest du dem emotionalen Ausdruck deines Kindes Grenzen setzen.
- … betrachtest du Emotionen als Verhalten, das kontrolliert werden muss.
- … siehst den Ausdruck von Emotionen wie Wut oder Trauer als manipulierend an („Das Kind möchte seinen Willen durchsetzen.“).
- … glaubst du, dass sogenannte negative Emotionen schlechte Anteile der Person sind.
- … glaubst du, dass das Zeigen von Emotionen schwach ist und Kinder emotional abgehärtet sein müssen, um zu überleben.
- … zeigst deine eigenen Gefühle nicht, außer du bist sehr wütend.
- … machen dir Emotionen Angst und du bist dir deiner eigenen Emotionen meist nicht bewusst
In den Momenten, in denen du dich missbilligend gegenüber den Emotionen deines Kindes verhältst, lernt dein Kind nicht, seine Emotionen zu regulieren. Es bekommt vermittelt, dass das, was es fühlt, nicht angemessen, falsch oder wertlos ist. Es fühlt sich nicht von dir gesehen und ihr seid nicht miteinander verbunden.
3. Laissez-faire
Du liebst dein Kind sehr und möchtest, dass es sich frei entfalten kann und alle seine Emotionen ausdrücken darf. Du möchtest ihm in seinem Ausdruck keine Grenzen setzen.
Wenn du dich vorwiegend nachgiebig gegenüber den Emotionen deines Kindes verhältst…
- … akzeptierst du auf großzügige Weise alle Gefühlsäußerungen deines Kindes.
- … zeigst du sehr viel Empathie und bietest deinem Kind Trost, wenn es unangenehme Gefühle erfährt.
- … glaubst du, man könne angesichts starker Emotionen nicht viel tun, außer sie durchzufühlen und vorüberziehen zu lassen.
- … bist dir oft unklar über die Bedeutung der emotionalen Erfahrung deines Kindes.
- … hilfst deinem Kind nicht dabei, seine Emotionen zu verstehen.
- … nutzt die emotionalen Erfahrungen deines Kindes nicht dazu, um ihm Fertigkeiten zur Problemlösung zu vermitteln.
- … bist du nachgiebig und es fällt dir schwer, Grenzen zu setzen.
- … zeigst du deine eigenen Emotionen, fühlst dich aber teilweise von ihnen überflutet und hilflos, wie mit ihnen umzugehen.
In den Momenten, in denen du dich nachgiebig gegenüber den Emotionen deines Kindes verhältst, lernt dein Kind möglicherweise nicht, seine Emotionen zu regulieren. Ihm fehlen Anhaltspunkte bezüglich seiner Gefühlswelt. Es bekommt nicht vermittelt, wie es seine Gefühle angemessen ausdrücken kann. Auch fehlen ihm Worte, um seine Gefühle anderen mitteilen zu können.
Elternverhalten, welches Kinder darin unterstützt, einen guten Umgang mit ihren Gefühlen zu entwickeln, beinhaltet laut John Gottman üblicherweise 5 Schritte. Zusammengefasst nennt er dieses elterliche Verhalten:
4. Emotionscoaching
Du heißt alle Emotionen deines Kindes willkommen und bist dir bewusst, wie wichtig es ist, dein Kind in emotionalen Momenten zu begleiten.
Wenn du dich vorwiegend im Sinne des Emotionscoachings gegenüber den Emotionen deines Kindes verhältst…
- … siehst du Emotionen als Zeit für Verbindung und Anleitung an.
- … wertschätzst du die Emotionen deines Kindes.
- … nimmst du dir Zeit, um mit deinem Kind über Gefühle zu sprechen.
- … versuchst du herauszufinden, warum sich dein Kind so fühlt, wie es sich fühlt.
- … hilfst du deinem Kind, sich dem Gefühl bewusst zu werden, es zu benennen und auszudrücken.
- … zeigst du Empathie und suchst Nähe und Verbindung in emotional herausfordernden Momenten.
- … bist du in der Lage ruhig zu bleiben und deinem Kind beim Problemlösen zu helfen.
- … bist dir deiner eigenen Emotionen bewusst.
In den Momenten, in denen du dich im Sinne des Emotionscoachings den emotionalen Äußerungen deines Kindes gegenüber verhältst, lernt dein Kind, seine Emotionen zu regulieren. Es bekommt vermittelt, dass das, was es fühlt, angemessen und richtig ist. Es fühlt sich von dir gesehen und verstanden. Ihr seid miteinander verbunden.
Eine gute Erziehung beginnt in unseren Herzen und setzt sich von Augenblick zu Augenblick fort, indem wir auf unsere Kinder eingehen, wenn sie erregt sind, wenn sie Trauer, Wut oder Angst verspüren.
Der Schlüssel zur Erziehung liegt in der Fähigkeit, auf besondere Weise da zu sein, wenn es wirklich darauf ankommt.
John Gottman
Emotionaler Stil: Eine Situation, 4 unterschiedliche Reaktionen
Es gibt immer eine Vielzahl an Möglichkeiten, wie wir auf die Gefühlsäußerungen unserer Kinder reagieren können.
Häufig reagieren wir jedoch automatisch und wiederholen die Muster, die wir selber gelernt haben, wie also unsere Eltern mit unseren kindlichen Gefühlen umgegangen sind. Bis wir anfangen, uns unsere Reaktionen bewusst zu machen. Denn sobald wir uns unserer automatischen Verhaltensmuster bewusst werden, haben wir die Möglichkeit, diese zu verändern und anzupassen.
Schauen wir uns eine Situation an und die vier verschiedenen Reaktionsweisen, die sich an den Stilen elterlichen Verhaltens orientieren.
Ein Kind, 5 Jahre, möchte sich keine Jacke anziehen. Es brüllt und weigert sich strikt. Draußen ist es kalt und es hat schon eine Erkältung.
Nicht-beachtende Reaktion:
Du versuchst, fröhlich zu klingen und dein Kind zu überzeugen: „Aber du ziehst doch gerne deine Jacke an. Es ist doch deine Lieblingsjacke. Schau mal, sie hat sogar einen Bagger aufgemalt.“
Missbilligende Reaktion:
Du sagst mit ärgerlicher Stimme: „Hör auf zu weinen. Komm schon, es ist kalt draußen. Du ziehst auf jeden Fall deine Jacke an.“
Laissez-faire- Reaktion:
Du fühlst dich verunsichert und weißt nicht genau, wie du reagieren sollst. Du lässt dein Kind ohne Jacke rausgehen.
Reaktion im Sinne des Emotionscoachings:
Du hälst inne und verbindest dich mit deinem Kind. „Du bist wütend, weil du selber bestimmen möchtest, ob du deine Jacke anziehst. Schau mal, ich mache mir Sorgen, weil es draußen kalt ist und ich möchte, dass du wieder gesund wirst. Hier drinnen ist es so warm, da erscheint dir die Jacke viel zu warm, dass kann ich verstehen. Ich nehme die Jacke mit und wenn du merkst, dass dir zu kalt wird ziehst du sie an.“
Entdecke dich in den emotionalen Stilen wieder
Selbstverständlich werden wir uns nicht nur in einem der emotionalen Stile des elterlichen Verhaltens wiedererkennen. Aber es kann interessant sein, wenn wir versuchen, uns in diesen Stilen wiederzuentdecken. Denn es ist wahrscheinlich, dass wir von allen Stilen auch Anteile in uns finden werden, wenn wir hier ehrlich mit uns sind. Je nach Stil mal in größerem, mal in kleinerem Ausmaß, da wir alle in einer Kultur aufgewachsen sind, in der Gefühle tendenziell unterdrückt und vermieden werden.
Werden wir uns dieser Anteile der unterschiedlichen Stile in uns bewusst, haben wir die Möglichkeit, unser Verhalten zu überdenken und anzupassen. Wir alle können die Fertigkeiten erlernen, die es braucht, um unsere Kinder auf eine Art und Weise durch ihre Gefühle zu begleiten, die ihnen ermöglicht einen guten Umgang mit ihren Gefühlen zu entwickeln.
Emotionaler Stil: Emotionscoaching
Wenn wir unsere Kinder im Sinne des emotionalen Stils „Emotionscoaching“ begleiten, lernen sie durch unsere konstante Co-Regulation, ihre eigenen Gefühle besser zu regulieren.
Wir brauchen dabei als Eltern nicht perfekt zu sein, und das ist auch gut so. So können unserer Kinder lernen, dass auch wir Fehler machen, und gleichzeitig, welche Möglichkeiten es gibt, um diese wieder gut zu machen, z.B. indem wir uns hinterher entschuldigen.
Damit unsere Kinder einen guten Umgang mit ihren eigenen Emotionen erlernen können, ist es tatsächlich ausreichend, wenn wir uns in 30-40% der Zeit im Sinne des Emotionscoachings verhalten!!
Du möchtest lernen, die Gefühle deiner Kinder im Sinne des Emotionscoachings zu begleiten?
Ich bin Katharina. Als Systemische Therapeutin, Sonderpädagogin und selbst Mutter unterstütze ich Eltern dabei, bewusst mit den großen Gefühlen umzugehen, die sich in der Beziehung zu ihrem Kind zeigen.
Buche dir dein kostenfreies und unverbindliches Erstgespräch, damit wir gemeinsam schauen können, wie ich dich bestmöglich unterstützen kann.
Ich freue mich auf dich!


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