Cyclebreaking: Was ist das?

Cyclebreaking: Muster erkennen und durchbrechen.

Wenn wir Eltern werden, wiederholen wir oft unbewusst das, was wir selbst von unseren eigenen Eltern kennen. Diese Verhaltensmuster wiederholen sich häufig sogar von Generation zu Generation und stammen damit vielfach noch aus einer Zeit lange bevor wir auf die Welt kamen. Sie zeigen sich in vielen Formen – etwa in unserem Erziehungsstil, in der Art, wie wir kommunizieren, und wie wir mit unseren Gefühlen und denen unserer Kinder umgehen.

In dem Moment, in dem wir uns dieser Muster gewahr werden, können wir uns entscheiden, diese Zyklen zu durchbrechen – ein Prozess, der als „Cyclebreaking“ bezeichnet wird. Denn dann entscheiden wir uns bewusst, unsere eigenen Themen nicht an unsere Kinder weiterzugeben.

Was bedeutet Cyclebreaking?

Cyclebreaking bedeutet, bewusst Dinge anders zu machen, als wir sie selbst in unserer Kindheit erlebt haben. Es bedeutet, dass wir unser Handeln hinterfragen und uns bewusst dazu zu entscheiden, die negativen Muster zu durchbrechen, die manchmal über Generationen hinweg weitergegeben wurden. Oft hatten diese Muster früher eine wichtige Funktion – zum Beispiel mussten unsere Großeltern vielleicht ihre Gefühle beiseite schieben und einfach weitermachen, um zu überleben. Heute müssen wir das nicht mehr. Wir dürfen uns liebevoll von diesen alten Anteilen verabschieden, da sie uns heute nicht mehr dienlich sind und uns von einem erfüllten Leben abhalten.

Cycle Breaker sind also Menschen, die sich entscheiden, die alten Muster zu verstehen und an ihnen zu arbeiten, um sie nicht an ihre eigenen Kinder und damit an die zukünftigen Generationen weiterzugeben. Dieser Prozess erfordert Geduld und Mut. Es braucht Zeit und es braucht Mut, neue Wege zu gehen und viel Mitgefühl mit uns selbst, wenn wir doch wieder in die alten Muster zurückfallen – etwas, das unweigerlich zum Prozess dazugehört.

Wie werden Muster an die nächste Generation weitergegeben?

Eine spannende Frage: Wie können Muster eigentlich von Generation zu Generation weitergegeben werden? Hier einige Wege, wie diese Weitergabe stattfindet:

1. Lernen durch Beobachtung

Wenn unsere Kinder klein sind, sind wir Eltern für sie Vorbilder in allem, was wir tun und in dem, wie wir unser Leben und unsere Beziehungen gestalten. So wie wir leben, ist für sie ihre Normalität. Sie lernen, indem sie uns dabei beobachten, wie wir leben, und übernehmen dabei unsere – gesunden wie ungesunden – Verhaltensweisen und Reaktionsmuster.

Wenn z.B. ein Kind sieht, dass seine Eltern bei Konflikten schreien oder aber auch sich zurückziehen und aus dem Kontakt gehen, lernt es, dass dies der normale Umgang mit Konflikten ist .

2. Direkte Erziehung und Kommunikation

Wir geben unsere eigenen Überzeugungen, Werte und unsere Art zu kommunizieren und in Verbindung zu sein an unsere Kinder weiter – mal ganz bewusst, oft aber auch unbewusst. Diese Muster sind für uns so normal, dass wir oft nicht auf die Idee kommen, sie zu hinterfragen. Erst im Austausch mit z.B. unserem Partner oder unserer Partnerin bemerken wir, wie sehr unsere Sichtweise von „normal“ von der ihren abweichen kann, was häufig zu Konflikten führt, wenn es darum geht, wie wir unsere Kinder begleiten wollen.

Kennst du deinen Erziehungsstil? Wenn du dich dafür interessierst, mach gerne dieses Quiz, um herauszufinden, welches dein emotionaler Stil in der Begleitung deiner Kinder ist.

3. Emotionale Reaktionen

Wie wir auf die Emotionen unserer Kinder reagieren, hat meist viel mehr mit unserer eigenen emotionalen Biografie zu tun als mit unserem Kind. Was haben wir selbst in unserer Herkunftsfamilie über Emotionen gelernt? Wie reagieren wir auf Tränen, Wut, Angst…? Was sind unsere Glaubenssätze in Bezug auf diese Emotionen? Wollen wir sie lieber weghaben, oder trauen wir unserem Kind zu, auch schwierige Gefühle zu durchleben, und stehen ihm dabei hilfreich zur Seite?

Kinder nehmen die Art und Weise, wie wir emotional auf verschiedene Situationen reagieren, wahr und übernehmen diese oft.

Wenn wir z.B. auf Stress immer mit Angst und Überforderung reagieren, lernt das Kind, ebenfalls mit Angst und Überforderung auf stressige Situationen zu reagieren.

4. Familiendynamiken und Rollen

Familiendynamiken und Rollen reichen oft tiefer, als wir zunächst erkennen können. Die Art und Weise, wie sich Familienmitglieder untereinander verhalten und welche Rollen sie einnehmen, ist stark von unbewussten Mustern und Erfahrungen geprägt, die in der Herkunftsfamilie weitergegeben wurden. Diese Dynamiken entstehen häufig aus den Bedürfnissen und Anpassungsstrategien, die in früheren Generationen entwickelt wurden, um mit bestimmten Herausforderungen umzugehen. Solche Rollen und Dynamiken werden oft weitergeführt, weil sie den Familienmitgliedern vertraut sind, auch wenn sie belastend sein können.

Ein Beispiel dafür ist die Regel „über Probleme spricht man nicht“. Wenn in einer Familie Probleme immer verschwiegen oder unter den Teppich gekehrt werden, lernen die Kinder, dass es nicht in Ordnung ist, über Schwierigkeiten zu sprechen, und setzen dieses Muster möglicherweise in ihren eigenen Familien fort.

5. Kulturelle und gesellschaftliche Einflüsse

Oft mehr als uns bewusst ist, werden wir auch durch kulturelle Normen und gesellschaftliche Erwartungen geprägt, was natürlich auch einen starken Einfluss auf das Verhalten und die Überzeugungen von Eltern hat, die diese dann an ihre Kinder weitergeben. In der deutschen Kultur ist zum Beispiel das Funktionieren sehr wichtig und wird häufig auch schon von Kindern verlangt. Oft ist uns das völlig unbewusst und fällt erst auf, sobald wir unseren eigenen Kulturkreis verlassen. Was wird in unserer Gesellschaft von Kindern erwartet? Wie wird ihnen in der Öffentlichkeit begegnet? Wieviel Platz dürfen sie einnehmen? Welche Werte sind besonders wichtig?

In manchen Kulturen überwiegt zum Beispiel der Wert der Selbstständigkeit und des Individualismus, während in anderen Kulturen das Miteinander und die Gemeinschaft im Vordergrund stehen.

6. Traumata und unverarbeitete Emotionen

Unverarbeitete Traumata und Emotionen beeinflussen oft tief und unbewusst das Verhalten und die emotionalen Reaktionen der Eltern. Diese nicht geheilten Wunden können in Stresssituationen zu übermäßigen oder unangemessenen Reaktionen führen, die die Kinder stark prägen. Kinder nehmen diese Reaktionen auf und lernen, sie als normal zu akzeptieren, was wiederum ihre eigene emotionale Entwicklung und ihr Verhalten beeinflusst.

Wenn z.B. ein Elternteil aufgrund eines unverarbeiteten Traumas auf eine laute Umgebung immer mit Angst und Rückzug reagiert, kann das Kind lernen, ähnliche Umgebungen ebenfalls mit Furcht zu verbinden und ähnlich zu reagieren. Solche Muster setzen sich oft über Generationen hinweg fort, bis die ursprünglichen Traumata und Emotionen bewusst gemacht und verarbeitet werden.

Um die Kette der Vergangenheit zu durchbrechen, müsse wir den Mut finden, neue Wege zu gehen.

Brené Brown

Was machen Cycle Breaker anders als ihre Eltern?

Unsere Generation hat heute viel mehr Zugang zu Informationen und Ressourcen als die unserer Eltern. Wir verstehen viele Zusammenhänge besser und verfügen über umfassenderes Wissen über Kindheit, Bindung und Emotionen. Im Gegensatz zu früheren Generationen, die weniger Zugang zu Therapie, Coaching und Selbstreflexion hatten, nutzen Cycle Breaker die verfügbaren Werkzeuge, um Heilung und Veränderung zu erreichen.

Oft beginnt dieser Weg mit dem Wunsch, sich selbst besser zu verstehen und die eigenen Themen nicht an die Kinder weiterzugeben. Cycle Breaker sind bereit, sich die Zeit zu nehmen, um ihre Verhaltensweisen, Überzeugungen und emotionalen Reaktionen zu reflektieren und die damit verbundenen familiären Muster zu durchbrechen.

Durch diese bewusste Arbeit setzen sie neue Standards und zeigen ihren Kindern, dass es möglich ist, auf gesunde Weise mit Emotionen umzugehen und schwierige Gefühle zu durchleben.

Cyclebreaking als fortlaufender Prozess

Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass auch unsere Eltern und vielleicht sogar schon deren Eltern im Rahmen ihrer Möglichkeiten und ihres Wissenstandes Cycle Breaker waren. Sie haben in ihrer eigenen Art versucht, das Beste aus ihrer Situation zu machen und Verbesserungen für die nächste Generation zu schaffen. Jeder kleine Schritt in Richtung Veränderung und Heilung ist wertvoll und Teil eines fortlaufenden Prozesses, der über Generationen hinweg stattfindet. Es ist wichtig, dies anzuerkennen und wertzuschätzen, während wir selbst daran arbeiten, die Ketten alter Muster zu sprengen und unseren Kindern eine bessere Zukunft zu gestalten.

Wie erkenne ich meine unbewussten Muster?

Unbewusste Muster zu erkennen, ist oft der erste Schritt auf dem Weg zur Veränderung. Doch wie kann man diese Muster ins Bewusstsein holen?

Ein guter Anfang ist, einfach mal innezuhalten und sich selbst zuzuhören. Welche wiederkehrenden Gedanken und Gefühle hast du? Welche Situationen lösen immer wieder ähnliche Reaktionen in dir aus? Es kann hilfreich sein, diese Momente aufzuschreiben und zu beobachten, ob es ein Muster gibt. Hol dir zur Unterstützung unbedingt das Emotionsjournal, das dir dabei hilft, deine Emotionen und Reaktionen besser zu verstehen.

Erkenne deine Muster und durchbrich sie!

Für Cycle Breaker – Eltern, die ihre Emotionen und Reaktionen 

besser verstehen wollen.

Hol dir dein Emotionsjournal und schreibe dich hin zu einem

bewussteren ElternSein und einem gelasseneren Miteinander!

Auch das Feedback von anderen kann sehr wertvoll sein. Sprich mit Freunden oder Familienmitgliedern, denen du vertraust, und frage sie, ob sie bestimmte Verhaltensweisen oder Reaktionen bei dir bemerkt haben. Manchmal sehen andere Dinge, die wir selbst nicht erkennen.

Es ist ebenfalls wichtig, auf deinen Körper zu hören. Unsere Emotionen manifestieren sich oft körperlich, und unser Körper kann ein guter Indikator dafür sein, wann wir in alten Mustern feststecken. Achte darauf, wann du Anspannung, Unwohlsein oder andere körperliche Reaktionen verspürst. Diese Signale können dir Hinweise darauf geben, welche Situationen oder Gedankenmuster du näher betrachten solltest.

Therapie oder Coaching können eine gute Unterstützung sein. Professionelle Begleitung bietet dir einen sicheren Raum, um tiefer zu gehen und unbewusste Muster zu erkennen. Ein Therapeut oder Coach kann dir dabei helfen, Zusammenhänge und Dynamiken zu erkennen und neue Wege zu gehen.

Abschließende Gedanken

Cycle Breaker zu sein, kann herausfordernd sein. Es ist ein Prozess. Dabei Geduld mit dir selbst zu haben, ist essenziell. Gib dir die Zeit, die du brauchst, und sei freundlich zu dir selbst, wenn du auf alte Muster stößt. Anerkenne die Fortschritte, die du machst, und erinnere dich daran, dass jeder kleine Schritt zählt.

Unbewusste Muster zu erkennen, bedeutet letztendlich, sich selbst besser kennenzulernen und liebevoller mit sich umzugehen. Es ist ein Zeichen von Stärke und Mut, sich dieser Herausforderung zu stellen und daran zu arbeiten, das eigene Leben und das Leben der nächsten Generation positiv zu verändern. 

Durch das Durchbrechen negativer Muster können wir auch alte Wunden in unserer Familie heilen und eine positivere Zukunft für kommende Generationen schaffen. Wir können die Beziehungen zu unseren Kindern und anderen Menschen in unserem Umfeld heilsamer und liebevoller gestalten.

Indem wir alte Muster durchbrechen, gehen wir mutig voran und zeigen unseren Kindern und anderen Menschen, dass Veränderung möglich ist und dass es in Ordnung ist, neue Wege zu gehen.

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