Du sagst zu deinem Kind: „Es ist okay, wütend zu sein.“ Doch deine eigene Wut schiebst du beiseite.
Du sagst: „Du darfst traurig sein.“ Doch deine Tränen schluckst du runter.
Du sagst: „Wie schön, dass du dich so freust!“ Doch deine eigene Freude bleibt vorsichtig, kontrolliert.
Wenn wir uns ehrlich anschauen, was in uns geschieht, während wir mit unseren eigenen Gefühlen umgehen, merken wir oft: Wir erlauben unseren Kindern ihre Gefühle, aber uns selbst nicht.
Wir funktionieren weiter, obwohl wir müde sind. Wir beruhigen, trösten, begleiten, aber uns selbst halten wir selten wirklich in dem, was wir fühlen.
In diesem Artikel geht es darum, warum es so schwer ist, unsere eigenen Gefühle zuzulassen, und wie du lernen kannst, dich selbst in deinen Gefühlen zu begleiten.
Wir wissen viel über Gefühle – aber leben wir dieses Wissen auch uns selbst gegenüber?
Als Eltern wissen wir: Gefühle sind wichtig. Gefühle brauchen Raum. Gefühle möchten gehalten werden. Gefühle gehören zum MenschSein dazu. Wir bestärken unsere Kinder darin, ihre Gefühle auszudrücken.
Und gleichzeitig, wenn wir uns selbst genau beobachten, können wir vielleicht in eigenen emotionalen Momenten diese leise Stimme in uns hören, die sagt: „Reiß dich zusammen.“ oder: „Du übertreibst.“ oder: „Du bist zu viel mit deinen Gefühlen.“
Und dann verdrängen wir vielleicht unsere eigene Wut, schlucken unsere Tränen hinunter und kontrollieren den Ausdruck unserer Freude. Wir funktionieren.
Nicht, weil wir nicht fühlen wollen. Sondern weil wir es selbst so gelernt haben. In uns klingen Stimmen nach, die ursprünglich diejenigen unserer Eltern waren, und vielleicht sogar schon aus vergangenen Generationen weitergegeben wurden. Vielleicht stammen die Stimmen auch aus der Gesellschaft, in der wir großgeworden sind. Manchmal wissen wir es gar nicht, und dennoch können wir sie in uns wahrnehmen, wenn wir achtsam nach innen lauschen.
Und meist ohne dass es uns wirklich bewusst ist passiert folgendes: Wir wollen unseren Kindern Gefühle erlauben – und haben gleichzeitig nie gelernt, wie das für uns selbst geht.

Wenn wir unsere Gefühle verdrängen spüren unsere Kinder sie trotzdem
Auch wenn wir unsere Gefühle verdrängen und sie vielleicht selbst kaum wahrnehmen, sendet unser Körper Signale.
Unsere Kinder sind feinfühlige und aufmerksame Beobachter. Sie spüren, was in uns vorgeht, selbst wenn wir nichts sagen.
Eine Mutter, die lächelt und sagt: „Alles ist gut!“, während sie innerlich angespannt ist, wirkt auf das Kind irritierend. Das Kind spürt die Unstimmigkeit zwischen Worten und Energie.
Und da sie uns so genau beobachten, übernehmen sie auch unsere Strategien: Sie lernen vielleicht, ihre Wut zu verdrängen, ihre Trauer zu verstecken oder ihre Freude nicht allzu laut zu zeigen
Wenn wir uns selbst wieder erlauben zu fühlen, sagen wir nicht nur, dass alle Gefühle in Ordnung sind, sondern wir leben es ihnen vor. Dass man Wut ausdrücken darf, ohne andere zu verletzen. Dass man traurig sein darf, ohne damit allein gelassen zu werden. Dass Freude groß sein darf, ohne sich dafür zu schämen.
Selbstregulation beginnt bei dir
Viele Eltern suchen nach Wegen, ihrem Kind bei der Emotionsregulation zu helfen – und das ist gut und wichtig. Doch wirkliche Emotionsregulation beginnt nicht bei den Kindern, sondern bei uns.
Wenn wir uns selbst in einem herausfordernden Moment regulieren können, dürfen wir erleben – und unseren Kindern gleichzeitig vorleben – : Gefühle sind sicher. Ich bin sicher.
Das bedeutet nicht, dass wir immer ruhig bleiben müssen. Sondern dass wir lernen, uns selbst in unseren Emotionen zu halten.
Wenn du beginnst, deine eigenen Gefühle ernst zu nehmen, verändert sich nach und nach etwas:
Du bist weniger angespannt. Du reagierst ruhiger auf die Situationen im Alltag. Du fühlst dich präsenter für dein Kind, und für dich selbst.
Kinder merken diesen Unterschied. Sie sehen: Gefühle dürfen sein. Auch bei den Erwachsenen. Sie lernen, dass es in Ordnung ist, Wut zu spüren, Trauer zuzulassen, Freude laut zu feiern.
Du musst nicht perfekt sein. Du musst nicht immer alles richtig machen. Es reicht, dass du immer wieder hinschaust, dir erlaubst zu fühlen und dich selbst dabei hältst.
Wie du dich selbst in deinen Emotionen halten kannst
Heute darfst du dir selbst mit Neugier und Mitgefühl begegnen. Mit Akzeptanz und Wertschätzung.
Heute darfst du in dir Sicherheit finden,und die wertenden Stimmen in dir wandeln in liebevolle, unterstützende Worte dir selbst gegenüber.
Du darfst lernen, den Ausdruck deiner Gefühle in deinem Körper zu spüren und zu halten. Dir selbst Sicherheit zu geben.
Ein paar kleine Impulse:
Nimm dich selbst in den Arm. Wiege deinen Körper sanft hin und her. Schüttle dich. Atme. Lass deinen Atem fließen.
Das klingt vielleicht erst einmal sehr simpel, doch es ist der Anfang tiefer Selbstregulation.
