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Was bedeutet es, sanft mit sich selbst zu sein?

Sanftheit als Haltung in der inneren Prozessbegleitung

Sanftheit ist eine Qualität, die es uns ermöglicht, uns selbst voller Mitgefühl und Annahme zu betrachten und ist damit eine wichtige Voraussetzung für heilsame Prozesse.

Warum Sanftheit so wertvoll ist, warum ich in meiner Arbeit Sanftheit kultiviere und wie du sie als Qualität in dein Leben integrieren kannst, das möchte ich dir in diesem Blogartikel näher bringen.

Was ist Sanftheit?

Sanftheit ist auf körperlicher Ebene ein Weich-werden, ein ummantelndes, wohliges Gefühl. Es ist der wohlwollende Blick auf dich selbst, ein Blick, der Fehler verzeiht, und dich annimmt, so wie du gerade bist.

Wenn ich in mich hinein spüre, dann fühlt sich Sanftheit in meinem Körper ganz anders an, als Härte, der Gegenpol von Sanftheit. Sanftheit macht mich weich, öffnet mich, erlaubt einen achtsamen präsenten Blick. Sanftheit erlaubt mir, mich selbst zu spüren und in Verbindung mit mir und anderen zu bleiben. Härte hingegen fühlt sich eher so an, als würde sich etwas verschließen, zusammenziehen, hart werden. Ich verschließe mich gegenüber anderen und gehe aus dem Kontakt zu mir selbst.

Was für Qualitäten hat Sanftheit für dich? Wie fühlt sie sich in deinem Körper an? Gibt es vielleicht ein Bild, welches du mit Sanftheit verbindest?

Warum ist Sanftheit so wertvoll?

Sanftheit ist für mich die Basis, auf der Heilung überhaupt erst geschehen kann. Wenn ich mich selbst mit Härte betrachte, dann verschließt sich etwas in mir. Ich ziehe mich zurück, gehe aus dem Kontakt zu mir selbst und zu dem, was gerade da ist. Sanftheit dagegen öffnet einen Raum, in dem sich alles zeigen darf, so wie es ist. Erst in diesem sicheren Raum kann ich wirklich wahrnehmen, was da ist und damit in Beziehung gehen. Gefühle, die ich vielleicht verdrängt hatte, bekommen die Möglichkeit, sich zu zeigen und unbewusste innere Anteile können Platz bekommen, damit ich mit ihnen begegnen kann.

Oftmals haben wir eher gelernt, zu funktionieren, und weiterzumachen, und streng mit uns selbst zu sein als sanft und mitfühlend mit us selbst zu sein. Bestimmt kennst du auch die innere Stimme, die dich antreibt, und die dich im Funktionieren hält.

Sanftheit ist eine bewusste Gegenbewegung dazu. Sie verlangsamt, wendet den Blick erst nach Innen, hin zu dir, um dort nachzuspüren, was sich für dich stimmig anfühlt. Sie ermöglicht eine wohlwollende Beziehung zu dir selbst. Und alles, was aus dieser Haltung dir selbst gegenüber entstehen kann, ist einfach viel nachhaltiger als das, was du mit Druck und Härte dir selbst gegenüber erreichen kannst.

Sanftheit in der inneren Prozessbegleitung

In der inneren Prozessbegleitung, so wie ich sie anbiete, findet Sanftheit auf zweierlei Weise ihren Platz. Zum einen bringe ich sie selbst als Haltung mit. Ich halte den Raum für dich mit Achtsamkeit, Präsenz und einem Blick, der frei von Urteilen bleibt, damit du dich sicher und gehalten fühlen kannst, egal was sich zeigen möchte. Sanftheit ermöglicht zudem eine Langsamkeit im Prozess, sie ermöglicht dir, in deinem eigenen Tempo zu gehen, und gerade in dieser Langsamkeit können tiefe heilsame Prozesse geschehen.

Zum anderen ermutige ich dich, diese Haltung auch selbst gegenüber deinen inneren Anteilen einzunehmen. Statt einen Anteil, der dich antreibt oder bremst, bekämpfen zu wollen, lade ich dich ein, ihm mit Neugier zu begegnen. Oft trägt so ein Anteil eine schützende Funktion, die lange gebraucht wurde. Sobald du das erkennst, kann sich etwas lösen und Sanftheit ganz wie von selbst fließen.

Vor kurzem durfte ich eine Klientin begleiten, die während der Sitzung einen Anteil in sich wahrnehmen konnte, der sie beständig antrieb und gleichzeitig dafür sorgte, dass sie nur schwer in Kontakt mit ihrem Körper kommen konnte, sondern durch ewige Gedankenspiralen im Kopf festgehalten wurde. Sie beschrieb dessen Anteil als hart und unnachgiebig. Es war ein Anteil, der viel Raum einnahm. Ich fragte sie daraufhin ob sie sich vorstellen könnte, mit diesem Anteil in Kontakt zu gehen. Sie spürte, dass es sich für sie stimmig anfühlte, und näherte sich ihm behutsam. Auf einmal konnte sie erkennen, und auch körperlich spüren, dass dieser Anteil sie eigentlich immer nur beschützen wollte. In diesem Moment löste sich etwas in ihr, viele Tränen durften fließen, und sie spürte den Wunsch, diesen Anteil in den Arm zu nehmen. Genau in diesem Moment war ganz viel Sanftheit da. Und es floss diese heilsame, sanfte Energie durch ihr gesamtes System.

Sanftheit als Kraft

Sanftheit ist keine Schwäche. Sie macht uns vielleicht verletzlich, weil sie uns öffnet, aber daraus entsteht eine sanfte Stärke, die aus einer tiefen Verbundenheit mit uns selbst entspringt.

Oft wird Sanftheit mit Schwäche verwechselt, weil wir gelernt haben, Stärke mit Härte und Durchsetzung gleichzusetzen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Es braucht Mut, dich mit allem zu zeigen, was gerade schwer oder verletzlich ist, statt es wegzudrücken. Sanftheit bedeutet, bei einem schwierigen Gefühl präsent zu bleiben und es zu halten, statt davor zu flüchten. Das ist eine aktive, kraftvolle Haltung, keine passive. Und Sanftheit schließt Klarheit nicht aus. Du kannst dir gegenüber sehr klar sein, eine Grenze setzen, eine Entscheidung treffen, und das trotzdem aus einer wohlwollenden statt einer harten Haltung heraus tun.

Eine Übung um Sanftheit in dein Leben einzuladen

Oftmals ist Sanftheit noch nicht da, noch nicht präsent in uns wahrnehmbar. Aber wir haben die wunderschöne Möglichkeit, Sanftheit in unser Körpersystem einzuladen.

Hast du schon einmal ausprobiert, wie es ist, ein Wohlgefühl einzuladen? Und dieses Gefühl sich in dir ausbreiten zu lassen? 
Ein Wohlgefühl ist ein Gefühl, welches sich heilsam anfühlt, leicht, liebevoll, sicher, weich und sanft.
Ich möchte dich stattdessen ermutigen, die folgende kleine Übung auszuprobieren, um zu spüren, wie es sich anfühlen kann, ein Wohlgefühl der Sanftheit in deinen Herzraum einzuladen.
Auch oder gerade dann, wenn dort noch so viel anderes wahrzunehmen ist.  

Eine meditative Reise zu dir selbst.

Lade Sanftheit in dein Leben ein.

Wenn du dich mit dir verbindest und in Stille in dich hineinspürst, kannst du dich mit deinem Herzen verbinden.

Lege vielleicht eine Hand auf dein Herz und spüre achtsam zu deinem Herzen hin. Was ist es, das du wahrnimmst?

Wenn es Schwere, Schmerz oder Unruhe ist, dann lade ich dich ein, diese Gefühle einfach wahrzunehmen und da sein zu lassen. Alles darf sein.

Und dann magst du dich vielleicht dafür öffnen, gleichzeitig eine Sanftheit in dein Herz einzuladen. Lasse sie in dein Herz fließen. Vielleicht ist sie zu Beginn ganz klein, beinahe unscheinbar. Gib dieser Sanftheit Platz in deinem Herzen. Lass sie sich in dir ausbreiten. Lass dein Herz sich mit dieser Sanftheit füllen.

Bleib weiter in Stille mit dir verbunden und nimm wahr, was geschieht. Vielleicht kommen Tränen, weil dein Herz wieder weich werden darf. Vielleicht kommt ein Gefühl des Ummanteltseins, des wohligen Eingebettetseins. Oder vielleicht ist es etwas ganz anderes. Alles darf sein. Alles, was sich zeigt, darf von diesem wohlwollenden Mantel der Sanftheit umhüllt werden.

Verweile noch so lange, bis es sich stimmig anfühlt, die Meditation zu beenden.

Abschließende Gedanken

Sanftheit ist eine Haltung, die du kultivieren kannst. Jedes Mal, wenn du dich mit einem wohlwollenden Blick betrachtest, jedes Mal, wenn du einem inneren Anteil mit Neugier begegnest, kann sich Sanftheit ein Stückchen mehr in dir ausbreiten. Lade sie unbedingt auch aktiv in dein Leben ein, z.B. so wie in der Übung beschrieben.

Wenn du spürst, dass du dir selbst mit Sanftheit begegnen möchtest, dann ist vielleicht meine innere Prozessbegleitung ‚Dein innerer Raum‘ für dich genau richtig. Dort bekommst du die Möglichkeit, dich sanft und achtsam mit deinem Körperwissen, deinen Gefühlen und deinen inneren Anteilen verbinden. ZUM ANGEBOT

Ich wünsche dir von Herzen, dass du diese Sanftheit in dir findest und ihr Raum gibst.

Herzlich, Katharina

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